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11/05 - 04/06 |
Atlantik - Teil 1 |
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Von Gibraltar aus geht es in einem wunderschönen Segeltag durch die Straße und dann scharf rechts nach Barbate - dort wollen wir auf Adi warten, der uns zu den Kanaren begleiten wird. Nach weiteren Großeinkäufen, Wasser- und Dieselbunkern und den letzten Reparaturen sind wir mit Adis Ankunft am Mittwochabend startklar. Die Wettervorhersagen sind günstig: Für die nächsten Tage werden nordwestliche bis nordöstliche Winde angekündigt - mit bis zu 7 und mehr Windstärken im Seegebiet von Agadir, was uns eigentlich ein wenig zu viel ist, aber das ist noch weit weg, mindestens drei Tage. Und so startet am 10. November Mariechens Atlantikfahrt. Am ersten und zweiten Tage bleiben die Bedingungen stabil, nur unter Genua fahren wir ein Etmal (die Strecke, die das Schiff in 24 Stunden zurücklegt) von 120 sm. Leider sollte das auch schon unser bestes sein. In der zweiten Nacht beginnt für die folgenden zwei Tage eine Reihe von Regenschauern samt Böen, die das Schiff von einer Sekunde auf die andere seitlich auf die Backe legen. Wir sind sehr angestrengt.
Mit Wellen, die sowohl aus Norden als auch als Westen kommen sowie Wind von hinten eiern wir Richtung Südwesten. Unsere Mägen quittierten das mit stark eingeschränktem Appetit. So richtig wohl fühlen wir uns - insbesondere unter Deck - bis zum Ende der Fahrt nicht mehr. Immer wieder müssen wir mit blasser Nase an die frische Luft. Hinzu kommt natürlich die Müdigkeit aufgrund der Nachtwachen: Zwei Stunden Wache und vier Stunden schlafen. Letzteres ist auch nicht wirklich entspannend - die starken Schiffsbewegungen lassen Marie wie besoffen hin und her schaukeln und uns mit flauem Vollrausch-Gefühl in der Koje hin und her rollen. Kochen, Spülen, Zähneputzen - alles akrobatische Übungsstücke, begleitet von Beulen, Hämatomen und saftigen Flüchen. Das fühlt sich etwas so an, wie wenn man sein Bett schräg auf die Pritsche eines LKW montiert, der dann über eine Buckelpiste brettert. Die Geräuschkulisse ist ähnlich... Allein Moritz lässt das alles kalt. Tagsüber tobt er durch seine Kabine und freut sich, dass die Autos von allein auf und ab fahren. Und während der Nacht scheint er auch im Tiefschlaf in die ergonomischste Schlafposition wechseln zu können. Uns müde Nachtwachen entlohnen dafür die klaren Nächte mit zunehmendem Mond, einem leuchtenden Sternenhimmel und glitzerndem Plankton im Wasser.
Die
Schauer begleiten uns auch noch die letzten Tage und Nächte
bis zu unserer Ankunft. Am Morgen des fünften Tages kommt Land
in Sicht, vor uns liegt La Graciosa. Erschöpft und müde,
aber glücklich sehen wir dem nahenden Landfall entgegen
und hören im Geiste schon das Ausrauschen der Ankerkette. Weil
die Ankunft erst für den Nachmittag bevorsteht, beschäftigen
wir uns mit unserer lange überfälligen Körperreinigung
und duschen mit Salzwasser auf dem Vordeck.
La Graciosa ist ein kleines Inselparadies ohne Palmen, nördlich von Lanzarote. Ein paar Hundert Leute leben dort, es gibt einen schönen kleinen Hafen, in dem sich vor allem Fahrtsegler tummeln, schöne Ankerbuchten ums Eck und sonst eigentlich nichts außer Sand und glasklarem Wasser. Da wollen wir nochmal hin. Aber vorher bringen wir Adi in Lanzarotes Inselhauptstadt Arrecife und schauen uns mit dem Auto festen Boden an. Nach all der Eile der letzten Wochen wollten wir dann auch endlich mal Urlaub machen - mit allem, was dazu gehört. Also:
Wir machen
uns ein paar gemütliche Tage und außerdem Bekanntschaft
mit Barbara, Piet und dem kleinen Neill, genauso alt wie Moritz,
die hier auf Graciosa ein kleines feines Appartement gemietet haben.
Schnell wachsen uns die drei Bochumer ans Herz und wir verbringen
tägliche viele Stunden mit ihnen. Die beiden sind auch Segler
und haben sogar eine Segelschule in Bochum (www.die-kleinen-segler.de).
Das versöhnt uns auch wieder mit den deutschen Seglern, die
leider ansonsten in den meisten Fällen wesentlich, nennen wir
es anstrengender, sind als die anderer Nationalitäten. Aber noch ahnt keiner, dass
sie uns bald eine wertvolle Anlaufstelle sein werden...
Bei Tagesanbruch kann man nun endlich die gesamte Situation überlicken: Insgesamt ist alles wohl noch recht glimpflich abgelaufen und hätte wesentlich schlimmer enden können. Trotzdem sind Schäden zu beklagen: Mehrere Beiboote und kleine Fischerkähne sind gesunken, der Steg sieht zum Teil übel zugerichtet aus, besonders dort, wo tonnenschwere Stahlschiffe stundenlang mit großer Gewalt gezerrt haben, und bei einigen Schiffen wurde der Bug stark beschädigt. Die Hafenmole ist übersät mit Sand und kindskopfgroßen Steinen, die sich aus der Steinschüttung herausgelöst hatten, und das kleine Fischerdorf mit seinen ehemals weißgetünchten Häuschen ist nicht wiederzuerkennen, so braunschmutzig verklebt starren uns nun Mauern und Fensterläden an. Der nun folgende Tag dient dem Lecken unserer Wunden und der Verarbeitung des Schocks sowie vor allem dem Säubern der Schiffe: Der feine Sandstrand hat sich in die Riggs und auf die Rümpfe der Schiffe verzogen und ist wirklich überall zu finden. Leider lässt er sich nicht leicht entfernen, denn die salzige Gischt hat ihn regelrecht festgebacken, und wir haben nur Salzwasser zum Spülen. Wahrscheinlich wird er uns noch ein paar Monate begleiten... Die Schäden an der Marie halten sich in Grenzen: Eine Plexiglasscheibe hat einen kleinen Sprung, zwei Leinen sind gebrochen und die Halterung für den Rettungsring ist hinüber. Und Moritz' Plüschhase hat bei der Evakuierung wohl zuerst das Fliegen und danach das Schwimmen gelernt. Wir sind sehr müde, aber froh, so viel Glück gehabt zu haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir noch einmal einen solchen Sturm erleben, dürfte sich in Grenzen halten ;-) Jetzt müssen
wir uns langsam auf den Weg nach Süden machen: Am 18. Dezember
kommen Christianes Eltern nach Gran Canaria und auf dem Weg dahin
müssen wir auch nochmal auf Fuerteventura vorbeischauen... |
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